Krankhaftes Schwitzen: So erfolgt die Diagnose der Hyperhidrose

Januar 7, 2020
10 Min.

Sie schwitzen übermäßig – und das obwohl Sie weder einer körperlich anstrengenden Tätigkeit nachgehen noch sommerliche Temperaturen herrschen? Dann könnte eine Hyperhidrose dahinterstecken. Den Verdacht bestätigen kann allerdings nur der Arzt. Mittels Anamnese (Krankengeschichte des Patienten) und körperlicher Untersuchung, aber auch durch verschiedene Testverfahren stellt er letztlich die Diagnose.


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Verdacht auf Hyperhidrose? Ab zum Arzt

Im Arztgespräch wird die Hyperhidrose Diagnose gestellt.

Das normale Schwitzen ist nicht in allen Fällen sofort eindeutig vom krankhaften Schwitzen zu unterscheiden. Sofern Sie ständig an übermäßigen Schweißausbrüchen leiden, denen keine normalen Ursachen zugrunde liegen, sollten Sie ärztlichen Rat einholen.




Schwitzen – was ist normal?

Bis zu einem gewissen Grad ist Schwitzen ganz natürlich und auch notwendig. Denn mithilfe der Schweißabsonderung sind wir vor Überhitzung geschützt, beispielsweise im Sommer oder bei körperlicher Anstrengung. Kommt es allerdings ohne ersichtlichen Grund zu einer übermäßigen Schweißabsonderung, kann krankhaftes Schwitzen (Hyperhidrose) dahinterstecken.

Medizinische Fachleute können letztendlich am besten einordnen, ob es sich um eine Hyperhidrose handelt und wenn ja, in welcher Form und Ausprägung. Als erste Anlaufstelle empfiehlt sich der Hausarzt, alternativ können Sie auch einen Hautarzt (Dermatologe) aufsuchen. Bestätigt sich der Verdacht auf eine Hyperhidrose, gibt es zahlreiche Spezialisten, die Ihnen im weiteren Therapieverlauf souverän zur Seite stehen.

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Wie läuft die Diagnose beim Arzt ab?

Es gibt keinen Test, der die Diagnose Hyperhidrose umfassend „beweist“. Vielmehr sind es neben der Anamnese verschiedene Bausteine, die letztlich die Diagnose erhärten.

  • Am Anfang der Diagnostik steht die Anamnese, also die Krankengeschichte des Patienten. Dabei erfragt der Mediziner unter anderem wichtige Details zu aktuellen Beschwerden, aber auch familiären Erkrankungen.
  • Mit verschiedenen Testverfahren kann der Arzt zusätzlich zur Krankengeschichte den Verdacht auf eine Hyperhidrose bestätigen und den Schweregrad der Erkrankung bestimmen.
  • Durch körperliche Untersuchungen soll der Verdacht des Arztes bestätigt oder widerlegt und mögliche Grunderkrankungen (wie eine Schilddrüsenüberfunktion oder Diabetes mellitus) festgestellt werden.

Beschwerden der Schilddrüse

Eine Hashimoto-Thyreoiditis (Schilddrüsenentzündung) kann eine Schilddrüsenüberfunktion und vermehrtes Schwitzen zur Folge haben. Im Podcast berichtet die 24-jährige Sophia von ihren Erfahrungen.



Aha!

Stellt der Arzt als Auslöser für das vermehrte Schwitzen eine Grunderkrankung fest, sprechen Mediziner von einer sekundären Hyperhidrose. Im Gegensatz dazu lässt sich bei einer primären Hyperhidrose keine Ursache erkennen.

Anamnese – die Erfragung der Krankengeschichte

Junge Ärztin bei der Anamnese

In der Anamnese erfragt der Arzt die Krankengeschichte seines Patienten. Dabei ist nicht nur Raum für ganz aktuelle Beschwerden: Der Patient soll auch aus seiner Sicht schildern, welche psychischen und sozialen Belastungen für ihn mit seinem Leiden verbunden sind. Eine sorgfältige Anamneseerhebung schließt immer körperliche, psychische und soziale Aspekte mit ein. Und auch die familiäre Krankengeschichte stellt bei der Diagnosestellung eine wichtige Säule dar.

Die Anamnese setzt sich somit häufig aus diesen drei Bereichen zusammen:

  1. Auftreten der Schwitzprobleme
    In der Eigenanamnese schildert der Patient seine aktuellen Beschwerden, die ihn zum Arzt geführt haben. Anschließend versucht der Arzt durch gezieltes Nachfragen herauszufinden, wann dem Patienten sein vermehrtes Schwitzen zum ersten Mal aufgefallen ist. Darüber hinaus wird er auch erfragen, ob das Schwitzen von weiteren Beschwerden wie Fieber oder Leistungsschwäche begleitet wird. Auch, ob der Patient Medikamente einnimmt, ist von Bedeutung.
  2. Familiengeschichte, Vererbung und Vorerkrankungen
    In der Familienanamnese wird nach Erkrankungen von Verwandten gefragt, vornehmlich nach solchen, die in der Familie gehäuft auftreten. Hier werden auch jene Krankheiten mit einbezogen, die Hinweise auf eine dem Schwitzen zugrunde liegende Ursache liefern, so zum Beispiel Diabetes mellitus Typ 1.
  3. Beruf, Freundeskreis und Umfeld
    In der Sozialanamnese macht sich der Arzt ein Bild vom Umfeld des Patienten: Beruf, Familie, Partnerschaft, das Engagement im Freundeskreis, in Vereinen und so weiter. Haben sich die sozialen Kontakte mit fortschreitender Schwitzproblematik verringert, ist das bereits ein Hinweis auf gesunkene Lebensqualität. Andererseits können stabile soziale Kontakte die Therapie unterstützen.

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Körperliche Untersuchung und Co.

Routinemäßig wird der Arzt eine Untersuchung des ganzen Körpers durchführen. Dies schließt unter anderem das Ansehen (Inspektion), Abtasten (Palpation), Abklopfen (Perkussion) und Abhören mit dem Stethoskop (Auskultation) ein. Bereits hier lassen sich gesundheitliche Auffälligkeiten wie eine Blässe der Haut feststellen.

Im Anschluss an die körperliche Untersuchung kann der Arzt weitere Tests durchführen, so zum Beispiel:

  • Blutabnahme: Mithilfe eines Bluttests lässt sich beispielsweise feststellen, ob eine Schilddrüsenüberfunktion (erhöhte Menge der Schilddrüsenhormone im Blut) vorliegt. Auch Diabetes mellitus sowie die Wechseljahre können damit diagnostiziert werden.
  • Bildgebende Verfahren: Hat der Arzt den konkreten Verdacht, dass beispielsweise Lymphdrüsen- oder Leberkrebs hinter dem vermehrten Schwitzen steckt, kann er Röntgen, Ultraschall (Sonografie), Computertomografie (CT) oder eine Magnetresonanztomografie (MRT) veranlassen.
  • Elektrokardiografie: Vermutet der Arzt eine Herzrhythmusstörung als Ursache für die Schweißausbrüche, hilft eine Elektrokardiografie (Messung der Herzstromkurve) bei der Diagnose.
Aha!

Unter Umständen ist es möglich, dass der behandelnde Arzt einen Spezialisten zurate zieht oder Sie an einen solchen überweist. Beispielsweise einen Neurologen, wenn eine neurologische Erkrankung wie Morbus Parkinson für die Schwitzattacken verantwortlich sein könnte.

Welche Testverfahren stehen dem Arzt noch zur Verfügung?

Es gibt Tests, die den genauen Schwitzherd eingrenzen, damit ein Bild ähnlich einer Landkarte entsteht. Damit lässt sich anzeigen, wo zu viel Schweiß abgesondert wird. Das fällt unter den Begriff qualitativer Test. Demgegenüber wird bei einem quantitativen Test geprüft, wie viel Schweiß abgesondert wird.

Folgende Testverfahren gibt es:

Jod-Stärke-Test zur Diagnosestellung einer Hyperhidrose.
  • Minor-Test (qualitativer Test): Beim Minor-Test (auch Jod-Stärke-Test genannt) trägt der Arzt eine spezielle Jodlösung und anschließend ein Stärkepulver auf die betroffene Körperstelle auf. Durch das Schwitzen kommt es zu einer sichtbaren Farbveränderung des aufgetragenen Gemischs. In der Anamnese fragt der Arzt ebenfalls nach Allergien. Bei einer Allergie gegen Jod darf der Test nicht beziehungsweise nur unter bestimmten Umständen durchgeführt werden.
Gerät zur Messung der Schweißmenge – Diagnose-Verfahren bei Hyperhidrose.
  • Gravimetrische Messung (quantitativer Test): Ist das schwitzende Areal genau eingegrenzt, weiß der Arzt aber noch nicht, wie stark die Hyperhidrose ausgeprägt ist (produzierte Schweißmenge). An dieser Stelle setzt der quantitative Test an und die Menge der Sekretabsonderung (Schweiß) wird überprüft.
Bei der Diagnostik kommen auch Tests zur Hautmessung zum Einsatz.
  • Messung des Hautleitwertes (qualitativer Test):
    In erster Linie dient dieses Verfahren dazu, herauszufinden, ob eine Heilung beziehungsweise Verbesserung des Schwitzproblems eingetreten ist. Mithilfe eines speziellen Feuchtigkeitsmessgeräts wird der Wasserverlust gemessen.

Diagnose – entscheidend für die Therapie

Um im Anschluss an die Diagnose eine geeignete Therapie zu verordnen, muss der Arzt wissen, ob eine primäre Hyperhidrose (ohne erkennbare Ursache) oder sekundäre Hyperhidrose (krankheitsabhängig) vorliegt. So ist es bei der krankheitsbedingten Hyperhidrose entscheidend, die Grunderkrankung zu behandeln. Manchmal reicht dies bereits aus, um das Schwitzproblem zu beenden. Falls nicht, kann auf Methoden zurückgegriffen werden, die auch bei der primären Form zum Einsatz kommen. Zum Beispiel tragen Antitranspirants oder pflanzliche Mittel dazu bei, die Schweißbildung zu hemmen.

Tanja Albert
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Medizinredakteurin
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