Achselschweiß: Was tun gegen das Schwitzen unter den Armen?

November 4, 2019
11 Min.

Es gibt Momente im Leben, da will man perfekt aussehen – zum Beispiel beim Vorstellungsgespräch oder dem ersten Date. Die Kleiderauswahl wird gut überlegt und das Hemd sorgfältig gebügelt. Doch dann das – unter den Achseln bilden sich handtellergroße Schweißflecken. Wie peinlich! Aber warum schwitzen wir unter den Achseln überhaupt? Und was tun gegen Achselschweiß in unpassenden Momenten?

Schweiß unter der Achsel

Krankhaftes Schwitzen unter den Achseln: Die axilläre Hyperhidrose

Etwa drei Prozent der Deutschen leiden an einer sogenannten Hyperhidrose, bei der der Körper unkontrolliert und übermäßig schwitzt.1 Meistens ist das krankhafte Schwitzen nur auf einzelne Areale beschränkt und betrifft vor allem die Achseln – in diesem Fall sprechen Mediziner von einer axillären Hyperhidrose oder Hyperhidrosis axillaris. Betrifft die Hyperhidrose den ganzen Körper, ist von einer generalisierten Hyperhidrose die Rede.

Hyperhidrose-Umfrage

Hyperhidrose-Umfrage

Grundsätzlich lässt sich krankhaftes Schwitzen in zwei Formen unterteilen:

  • primäre Hyperhidrose
  • sekundäre Hyperhidrose

Liegt eine primäre Hyperhidrose unter den Achseln vor, wird die starke Schweißproduktion zumeist durch psychische Stress-Situationen wie Schmerz, Angst oder Aufregung begünstigt – die genaue Ursache ist bisher aber noch nicht bekannt. Obliegt die Fehlfunktion des vermehrten Achselschweißes einer sekundären Hyperhidrose, ist die Ursache bei einer anderen Grunderkrankung (beispielsweise eine Schilddrüsenüberfunktion) zu suchen. Die Achseln beziehungsweise die Schweißdrüsen im axillären Schwitzherd verursachen in beiden Fällen oft eine ausgeprägte und sichtbare Durchfeuchtung der Kleidung.

Wichtig:

Bei starkem Schwitzen unter den Achseln sollten Sie vorsichtshalber einen Arzt aufsuchen, um schwerere Grunderkrankungen, ein Ungleichgewicht des Hormonhaushalts oder Tumore auszuschließen. Erster Ansprechpartner ist der Hausarzt, der Sie – je nach Ursache – beispielsweise an den Hautarzt (Dermatologe) oder auch Frauenarzt (Gynäkologe) weiter überweisen kann.

Schwitzen unter den Achseln: Eine nützliche Körperfunktion

Gerade im Sommer ist Achselschweiß für viele Menschen ein echtes Problem. Ständig muss das T-Shirt gewechselt werden, weil es unter den Achseln vom Schweiß feucht geworden ist. Aus diesem Grund hat Schweiß nicht unbedingt einen guten Ruf. Man darf aber auch nicht vergessen, dass Schwitzen eine sehr nützliche Schutzfunktion des Körpers vor Überhitzung ist.

Der Mensch besitzt insgesamt rund zwei Millionen Schweißdrüsen, wovon sich viele in der Achselhöhle befinden.2 Selbst wenn wir uns nicht körperlich anstrengen und angenehmes Klima herrscht, produzieren diese etwa 200 Milliliter Schweiß pro Tag.3 Bei sportlicher Betätigung oder Hitze kann diese Menge auf das Zehnfache ansteigen. Das wässrige Sekret, das die Schweißdrüsen absondern, sorgt durch die Verdunstung für eine angenehme Kühlung und reguliert unsere Körpertemperatur.

Das sollten Sie über Schweißgeruch wissen:

Frischer Schweiß ist an sich geruchslos. Er besteht zu einem Großteil aus Wasser, den Rest bilden Mineralstoffe, Harnsäure, Milchsäure, Zucker und vor allem Fettsäure. Letztere ist es, über die sich Bakterien, die vorrangig an warmen und feuchten Körperregionen leben (beispielsweise Achseln), hermachen. Sie zersetzen die Fettsäure, wodurch unter anderem Buttersäure (Butansäure) entsteht, die einen ranzigen Geruch aufweist. Folglich beginnt der Schweiß zu stinken.

Darüber hinaus wird die Geruchsnote von der Bakterienart beeinflusst:

  • Mikrokokken: Diese Bakterienart verursacht einen schwachen, leicht säuerlichen Geruch, der überwiegend bei Frauen zu finden ist.
  • Lipophile Diphtheroide: Sie sorgen für einen Geruch, der als stechend und beißend bezeichnet wird. Die Bakterien kommen vor allem bei Männern vor.

Übrigens: Bei der Zersetzung des männlichen Schweißes entstehen Abbauprodukte des Sexualhormons Testosteron, die auf Frauen bis zu einem gewissen Grad hin anziehend wirken können.

Gründe für starkes Schwitzen unter den Achseln

  • Hitze: Bei hohen Temperaturen, vor allem bei feuchtwarmer Luft, produzieren die Drüsen mehr Schweiß, um unsere Körpertemperatur kühl halten zu können.
  • Körperliche Anstrengung: Wer sich sportlich oder körperlich schwerer betätigt, produziert mehr Schweiß.
  • Gewicht: Das Körpergewicht hat ebenfalls Einfluss darauf, wie stark wir unter den Achseln schwitzen. Je größer die Körpermasse, desto mehr Schweiß produzieren die Schweißdrüsen, um uns vor Überhitzung zu schützen.
  • Hormonelle Schwankungen: Vor allem Frauen in den Wechseljahren leiden häufig an Hitzewallungen, die mit Schweißausbrüchen einhergehen können, da die Veränderungen des Hormonspiegels die Wärmeregulation des Körpers stören.
  • Medikamente: Betablocker oder Antidepressiva – die Liste von Medikamenten, die zu verstärktem Schwitzen unter den Achseln führen, ist lang.

Nicht zu vergessen ist die Psyche, denn wieso ist sonst häufig von „Angstschweiß“ die Rede? Bei Stress oder Nervosität steigt die Aktivität des Sympathikus (Teil des vegetativen Nervensystems, das Organe und Drüsen steuert) an, der das Signal weitergibt, mehr Achselschweiß zu produzieren.

Deodorants und Antitranspirants gegen Achselschweiß

Lokaltherapeutika sind eine Möglichkeit, um den Schweiß zu bekämpfen. Diese können in Form von Sprays oder Rollern in Drogeriemärkten oder Apotheken erworben werden. Je nach Inhalt, unterscheidet man zwei verschiedene Arten:

  • Geruchsneutralisierende Deodorants zielen darauf ab, die Bakterienbesiedlung in der Achselhöhle zu verringern und somit den unangenehmen Geruch des Achselschweißes zu neutralisieren. Zudem sind in diesen Deodorants meist ätherische Duftstoffe enthalten, die einen angenehmen Geruch verleihen sollen.
  • Antitranspirante enthalten Aluminiumsalze, die die Schweißdrüsen verstopfen und dadurch die Menge des Achselschweißes verringern. Sie sollten am besten vor dem Schlafengehen aufgetragen werden, da die Schweißdrüsen nachts weniger aktiv sind und der Wirkstoff dann besser eindringen kann.

Gut zu wissen

Deos und Antitranspirants sollten nicht auf bereits verschwitzte Achseln gesprüht werden, weil sie dann nicht mehr so gut wirken. Beseitigen Sie den Achselschweiß zunächst gründlich mit Wasser und Seife, bevor Sie die Lokaltherapeutika auftragen.

Wie lassen sich Achselschweiß und strenger Körpergeruch noch vermeiden?

Für viele Menschen ist das Schwitzen eine große Belastung. Vor allem wenn — wie beispielsweise bei der Hyperhidrose — übermäßig starke Schweißausbrüche ohne erkennbare Ursachen auftreten. Die großen, nassen Flecken auf der Oberkleidung und ein möglicherweise starker Schweißgeruch, sind für Betroffene äußerst unangenehm. Ein Großteil von ihnen fühlt sich dadurch gehemmt.

Um der Schweiß- und Geruchsbildung entgegenzuwirken, können Sie folgende Methoden ausprobieren:

  • Achselpads: Dabei handelt es sich um Einlagen aus Baumwolle oder synthetischen Materialien, die in den Achselbereich der Kleidung eingeklebt werden. Sie nehmen Achselschweiß auf und verhindern so das Entstehen von Flecken auf der Kleidung. Erhältlich sind die Achselpads in verschiedenen Ausführungen und Größen.
  • Anti-Schweiß-Shirts: Spezielle Schweiß-Shirts wie beispielsweise die manjana® Body ShirtsAnzeige werden unter der Kleidung getragen und besitzen im Achselbereich einen eingenähten Nässeschutz. Sie verhindern, dass die Oberbekleidung von Schweiß durchdrungen wird und können zudem helfen, die Geruchsbildung zu reduzieren.
  • Pflanzliche Hilfe und Hausmittel: Zitrone, Salbei, Apfelessig, Natron – es gibt auch natürliche Mittel, die gegen die Schweißbildung vorgehen. Häufig weisen sie eine antibakterielle Wirkung auf, können aber ebenso einen zusammenziehenden Effekt auf die Schweißdrüsen ausüben.

Medizinische Behandlungsmethoden bei extremem Achselschweiß

Neben diesen „sanften“ Maßnahmen gibt es noch weitere Behandlungsmethoden, mit denen der Achselschweiß bekämpft werden kann. Bei Hyperhidrose kommen beispielsweise folgende Therapieformen infrage:

  • Leitungswasser-Iontophorese: Bei diesem Verfahren wird ungefährlicher elektrischer Strom durch die Haut geleitet. Die Haut wird hierzu mit Wasserbädern oder Schwämmen befeuchtet.
  • Sympathektomie: Diese Methode kommt im Bereich der Hände, Achselhöhlen und teils im Gesicht infrage. Heute wird vorrangig eine endoskopische Operationstechnik angewandt, bei der im Rahmen einer Spiegelung der Brusthöhle (Thorakoskopie) die Leitung der Nerven zu den Schweißdrüsen durchtrennt, abgeschnürt oder teilweise entfernt wird. Auf diese Weise lässt sich die Impulsgebung zur Schweißabsonderung unterbrechen.
  • Saugkürettage: Hier wird ebenfalls ein kleiner Schnitt in der Achselhöhle durchgeführt, um an die Schweißdrüsen unter dem Fettgewebe zu gelangen. Der Arzt saugt oder schabt die Schweißdrüsen dann ab. Aber: Ein hundertprozentiger Erfolg ist nicht garantiert, da es sein kann, dass nicht alle Drüsen entfernt wurden beziehungsweise sich einige nach der OP regenerieren.
  • Botulinumtoxin: Auch mit Botox® (Nervengift) kann die Achselschweiß-Produktion für einen gewissen Zeitraum gestoppt werden: Die Wirkung hält meist zwischen vier und sechs Monate an.4 Das Gift blockiert Nerven, die die Produktion von Schweiß anregen.

Da die beschriebenen Behandlungsmöglichkeiten zum Teil mit Komplikationen verbunden sein können, ist eine ausführliche Beratung bei einem Arzt zu empfehlen. Dieser spricht eine individuelle Empfehlung aus, welche Methode für Sie am geeignetsten ist. Zum Teil müssen die Behandlungen auch selbst finanziell übernommen werden.

Fazit:

Bis zu einem gewissen Grad lässt sich die Bildung von Achselschweiß und die damit einhergehende Geruchsentwicklung mit den genannten Behandlungsmethoden und Hilfsmitteln vermeiden. Jedoch nicht gänzlich. Zwar schreitet die Forschung stetig voran, doch darf dabei nicht vergessen werden, dass das Schwitzen eine wichtige Funktion zur Regulation unserer Körpertemperatur ist und nicht vollständig unterbunden werden darf. Außerdem bringen gerade Operationen nicht selten große Schmerzen und Wundheilungsstörungen mit sich und sollten nur nach ärztlicher Beratung erfolgen.

Miriam Och
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Medizinredakteurin und Kommunikationswissenschaftlerin
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Tanja Albert
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