Wenn das Baby schwitzt – das sollten Eltern wissen

Dezember 4, 2019
10 Min.

Generell mögen Babys eine angenehme Wärme und fühlen sich bei dieser besonders wohl. Wenn das Baby jedoch zu schwitzen beginnt, sollten Eltern wachsam sein. Obwohl hinter dem Schwitzen oft eine harmlose Ursache steckt, so kann es trotzdem auch auf ein Überhitzen des kleinen Kindes hinweisen. Doch wie merke ich überhaupt, ob meinem Sprössling zu warm ist? Und was hilft gegen die Schweißabsonderung beim Baby?


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Können Babys schwitzen?

Frau hält ihr schwitzendes Baby auf dem Arm.

Das Schwitzen ist ein wichtiger Prozess im Körper, denn es dient der Wärmeregulierung. Steigt die Körpertemperatur zum Beispiel durch sehr warme Außentemperaturen oder Stress an, werden auf der Hautoberfläche sitzende Schweißdrüsen aktiviert und geben ein Sekret – den Schweiß – ab. Dieser verdunstet auf der Hautoberfläche, wodurch der Körper abkühlt.

Bei Babys ist dieser Vorgang noch nicht ganz ausgereift. Zwar können sie grundsätzlich Schweiß abgeben, allerdings befinden sich ihre Schweißdrüsen häufig in den ersten Monaten nach der Geburt noch in der Entwicklung. Die Folge davon sind Probleme bei der Regulierung. Es kann also sein, dass Ihr Kind bei kleinsten Anlässen stark zu schwitzen beginnt, aber bei hohen Außentemperaturen durch mangelndes Schwitzen nicht ausreichend Abkühlung erfährt.

Babys haben begrenzte Möglichkeiten

Nicht nur Säuglinge, auch etwas ältere Kinder schwitzen weniger als Erwachsene. Allerdings sind sie in der Lage, sich zu melden, wenn ihnen zu warm ist. Oder sie können selbst die Jacke ausziehen beziehungsweise die Decke zurückschlagen. Bei Babys ist das anders: Ihnen bleibt nur die Möglichkeit zu schreien, wenn sie sich unwohl fühlen.

Wie merke ich, ob meinem Baby zu warm ist und es schwitzt?

Um herauszufinden, ob ihr Baby schwitzt oder ihm womöglich zu kalt ist, sollten Sie mit den Fingern zwischen Nacken und den beiden Schulterblättern des Kindes fassen:

  • Fühlt sich die Haut des Babys angenehm warm und trocken an, spricht das für die ideale Körpertemperatur.
  • Ist die Haut in diesem Bereich feucht, schwitzig oder gar heiß, deutet das darauf hin, dass Ihrem Baby zu warm ist. Sie sollten also für eine Abkühlung (beispielsweise mit Hilfe eines feuchten Waschlappens) sorgen.
  • Ist der Nackenbereich kälter als Ihre Hand, friert das Kind und es benötigt mehr Wärme (zum Beispiel durch dickere Kleidung).

Es ist übrigens ganz normal, dass sich die Händchen und Füßchen des Babys etwas kühler anfühlen als der Rest des Körpers. Das liegt daran, dass sich Babys nur sehr wenig bewegen und die Extremitäten dadurch weniger durchblutet werden. Dagegen schwitzen Babys besonders häufig am Kopf, da sie über die verhältnismäßig große Oberfläche am leichtesten überschüssige Wärme abgeben können.

Auf die Gesichtsfarbe achten

Die Farbe der Haut gibt zudem Hinweise auf das Temperaturempfinden des Kindes. Rosig gefärbte Wangen sind ein gutes Zeichen. Ist das Gesicht des Babys dagegen stark gerötet oder sehr blass, sollten Sie überprüfen, ob dem Kind zu warm beziehungsweise zu kalt sein könnte.

Ursachen: Wann schwitzt das Baby?

Generell kommen mehrere Gründe in Frage. Meist sind diese relativ harmlos, zum Beispiel:

  • Tiefer Schlaf: Manche Menschen – und auch Babys – neigen im Tiefschlaf und beim Träumen zu vermehrten Schwitzen. Solange sich der Nacken des Kindes aber nicht übermäßig heiß anfühlt, ist das kein Grund zur Sorge.
  • Stillen: Das Stillen ist für das kleine Wesen mit einer gewissen körperlichen Anstrengung verbunden. Aus diesem Grund kann es passieren, dass das Baby in dieser Situation zur Schweißabsonderung neigt. Sind Sie fertig mit dem Stillen, sollte das Baby langsam wieder zu schwitzen aufhören.
  • Äußere Bedingungen: Das Kind ist warm in eine Jacke eingepackt oder im Sommer herrschen hohe Außentemperaturen – das Baby reagiert darauf, genau wie wir Erwachsenen, und beginnt zu schwitzen.

Wenn ihr Baby schwitzt, ansonsten aber gesund und munter wirkt sowie ausreichend trinkt, besteht in der Regel kein Grund zur Sorge.

Ein Fall für den Arzt?

Nur in seltenen Fällen sind körperliche Ursachen, wie Fieber als Symptom eines Infekts oder Störungen des Stoffwechsels und Hormonhaushalts, der Grund für das Schwitzen beim Baby. Beginnt ihr kleiner Liebling häufiger, scheinbar ohne nachvollziehbaren Grund oder sehr stark zu schwitzen, sollten Sie den Kinderarzt aufsuchen, damit dieser Krankheiten ausschließen kann.

Gefahr der Überhitzung: Wann ist Schwitzen beim Baby ein Alarmzeichen?

Obwohl es viele harmlose Gründe für das Schwitzen des Babys gibt, so kann es doch auch auf eine Überhitzung des Säuglings hinweisen. Diese tritt dann ein, wenn das Kind nicht mehr in der Lage ist, die erhöhte Wärmezufuhr – zum Beispiel an einem heißen Sommertag – ausreichend zu regulieren. Typische Anzeichen für eine Überhitzung sind, neben heftigem Schwitzen, eine starke Gesichtsrötung und beschleunigte Atmung. Oft wirken Babys in diesem Fall apathisch (teilnahmslos) und erschöpft. Stellen Sie diese Anzeichen bei Ihrem Kind fest, sollten Sie wie folgt handeln:

  • Rufen Sie einen Arzt,
  • legen Sie Ihr Kind in ein kühles Zimmer,
  • ziehen Sie das Baby aus,
  • tupfen Sie den Körper mit einem kühlen Tuch ab und
  • geben Sie Ihrem Sprössling, wenn möglich, zu trinken.

Ist Ihr Kind stark überhitzt, liegt ein Notfall vor. Denn im schlimmsten Fall droht ein lebensgefährlicher Kreislaufzusammenbruch.

Das Baby schwitzt – was tun?

Wenn Ihr Kind beispielsweise beim Stillen aufgrund der Anstrengung zu schwitzen beginnt, streichen Sie mit einem feuchten Tuch oder Waschlappen sanft über die Stirn des Sprösslings, um ihn etwas abzukühlen. Sie können dem Kind zudem einen feuchten Waschlappen zum Spielen in die Hand geben.

Bloß nicht zu viel!

Auf keinen Fall ist es ratsam, Kühlpads oder Eisbeutel zu verwenden, um Ihr Kind zu erfrischen. Babys sind nicht nur Wärme, sondern auch Kälte gegenüber sehr empfindlich. Es entstehen schnell lokale Erfrierungen und die Körpertemperatur fällt gefährlich stark ab.

Wenn die Kleidung des Babys durch die Schweißabgabe feucht ist, sollten Sie sie unbedingt wechseln. Die nasse Kleidung klebt sonst am Körper Ihres kleinen Lieblings und führt dazu, dass dieser auskühlt und sich zum Beispiel leichter erkältet. Auch ein warmes (nicht zu heißes) Bad kann helfen, damit sich das Baby nach dem Schwitzen wieder wohl in seiner Haut fühlt.

Schwitzen beim Baby vermeiden

Folgende Tipps helfen dabei, dass die Kleinen nicht so schnell ins Schwitzen geraten:

  • Sorgen Sie dafür, dass Ihr Kind sich im Sommer nach Möglichkeit nur im Schatten aufhält. In der Sonne heizt sich der kleine Körper ansonsten schnell auf. Außerdem reagiert die Babyhaut sehr empfindlich auf Sonnenlicht und einen Sonnenbrand gilt es immer zu vermeiden.  
  • Kleiden Sie Ihr Baby am besten im Zwiebellook, also mit mehreren Kleidungsschichten. Dann können sie schnell reagieren, zum Beispiel wenn sie mit dem Sprössling unterwegs sind und sich im Laufe des Tages die Außentemperaturen ändern.
  • Handschuhe oder kleine Mützen sind für das Baby in Räumen in der Regel nicht nötig. Zudem können Sie die Abgabe von Wärme – wenn das Baby schwitzt – verhindern.
  • Schläft das Kind in der Nacht mit den Eltern in einem Bett, sollte es nicht unter der schweren Decke der Eltern liegen. Die von den Erwachsenen abgegebene Körperwärme unter der Decke kann eine Überhitzung des Säuglings begünstigen.
  • Kleiden Sie Ihren Sprössling beim Schlafen richtig, um zu verhindern, dass er nachts schwitzt. Zu empfehlen sind ein langärmliges Hemdchen und eine lange Hose, alternativ ein weicher Strampelanzug (im Sommer aus dünneren, im Winter aus etwas dickeren Stoff).
  • Statt einer Decke verwenden Sie für das Baby beim Schlafen am besten einen Baumwollschlafsack, in der kalten Jahreszeit darf dieser gerne gefüttert sein. Eine zusätzliche Decke ist nicht notwendig.
  • Lüften Sie das Schlafzimmer gut, bevor Sie das Kind zum Schlafen legen. Schließen Sie dann das Fenster, damit kein Luftzug mehr besteht, bei dem das Kind womöglich frieren könnte.

Gut zu wissen

Experten empfehlen eine Raumtemperatur von 18 Grad Celsius für schlafende Babys.1 Das klingt womöglich etwas kühl, jedoch ist das Baby im Idealfall schön kuschelig in seinen Schlafsack gepackt. Ist das Zimmer zu warm, begünstigt das eine Überhitzung des Säuglings.

Pauline Zäh
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