Primäre Hyperhidrose: Ursachen und Therapie

Dezember 18, 2019
5 Min.

Jeder schwitzt gelegentlich – bei körperlicher Arbeit, beim Sport oder wenn es heiß ist. Doch was, wenn die übermäßige Schweißproduktion ohne Grund auftritt? Bei einer primären Hyperhidrose liegt eine krankhafte Form des Schwitzens vor, allerdings sind hierfür keine körperlichen Ursachen auszumachen. Verzweifeln müssen Betroffene dennoch nicht: Es gibt verschiedene Therapieansätze zur Linderung des Problems.

Schwitzendes Bein: Bei einer primären Hyperhidrose ist das übermäßige Schwitzen örtlich begrenzt.


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Die primäre Hyperhidrose…

  • …tritt unabhängig von anderen Krankheiten auf.
  • …wird durch eine Fehlregulation des autonomen Nervensystems hervorgerufen, bei der aus ungeklärten Gründen der Sympathikus (ein Teil des Nervensystems) überaktiv ist.
  • …manifestiert sich häufig erstmals im Kindes- und Jugendalter (meist zu Beginn der Pubertät).1
  • …tritt in der Regel nicht nachts während des Schlafens auf.
  • …zeigt sich meist nur in bestimmten Körperbereichen wie Stirn, Achseln, Händen oder Füßen.
  • …wird durch psychische Faktoren wie Angst oder Stress beeinflusst, die Auslöser für Schweißausbrüche sind.

Was ist eine primäre Hyperhidrose?

Lautet die Diagnose primäre Hyperhidrose, heißt das, dass das krankhafte Schwitzen (Hyperhidrose) bei einem ansonsten gesunden Patienten auftritt. Demnach begünstigen weder körperliche noch medikamentöse Auslöser die übermäßige Schweißproduktion. Die primäre Hyperhidrose entsteht also idiopathisch, sprich, die genaue Ursache ist nicht erkennbar.

Als Auslöser gilt eine Fehlregulation des vegetativen Nervensystems. Wird der Sympathikus (aktivierungsfördernder Teil des vegetativen Nervensystems) aus nicht näher geklärten Gründen überstimuliert, erhält er zu starke Reize. Da er unter anderem das Signal für die Schweißproduktion gibt, hat ein überaktiver Sympathikus zur Folge, dass auch die Schweißdrüsen „verrücktspielen“ und viel Schweiß produzieren.

Neben der Fehlfunktion des Nervensystems wird auch eine genetische Veranlagung diskutiert. Denn viele Hyperhidrose-Patienten berichten über weitere Fälle krankhaften Schwitzens in ihrer Familie. Der genaue Zusammenhang ist aber noch nicht geklärt.

Aha!

In der Regel beginnt die Krankheit in der Pubertät.1 Die Symptome zeigen sich zu diesem Zeitpunkt meistens zum ersten Mal und bleiben bei Nichtbehandlung ein Leben lang bestehen.


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Psychische Faktoren als Auslöser

Schon bei geringer körperlicher Anstrengung kann der Schweiß im Fall einer Hyperhidrose in „Strömen fließen“. Patienten mit einer primären Hyperhidrose geraten aber auch aufgrund psychischer Belastungen schnell ins Schwitzen, so beispielsweise in

  • stressigen Situationen oder
  • durch emotionale Reize (zum Beispiel Angst).

Leider führt dieser Umstand oftmals zu einem Teufelskreis: Die Betroffenen fühlen sich in der Situation noch unwohler und setzen sich zusätzlich unter Druck. Der Stress nimmt zu und die Schweißdrüsen hören nicht auf, noch mehr Schweiß zu produzieren.

Hyperhidrose kann psychische Folgen haben

Kommt es zu einem Schweißschub ziehen sich viele Betroffenen zurück, meiden Situationen, in denen sie Schweißausbrüche haben könnten und isolieren sich so fast vollständig vom sozialen Leben. Nicht selten sind Depressionen die Folge. Eine rechtzeitige Therapie kann solche ernsten psychischen Folgen vermeiden. Deshalb sollte bei Verdacht auf Hyperhidrose frühzeitig ein Arzt aufgesucht werden.

Wo schwitzen Betroffene vermehrt?

Typisch für die primäre Hyperhidrose ist, dass sie nur selten am gesamten Körper auftritt, sondern meistens örtlich begrenzt ist. Dies wird als fokale Hyperhidrose bezeichnet.

In der Regel sind folgende Bereiche von der übermäßigen Schweißproduktion betroffen:

Es kann aber auch vorkommen, dass die Schweißausbrüche sich über den ganzen Körper erstrecken. Im Vergleich zur fokalen Hyperhidrose ist dies aber relativ selten und wird als generalisierte Hyperhidrose bezeichnet.

Lösungen und Therapien bei übermäßigem Schwitzen

Auch wenn die Ursachen der primären Hyperhidrose unbekannt sind, gibt es durchaus Hilfe und zahlreiche Lösungsansätze für das Schwitzproblem.

Liegt keine Erkrankung vor, die als Auslöser und Verursacher der starken Schweißbildung in Betracht kommt, rücken die Schweißdrüsen direkt in den Fokus der möglichen Therapien. Beispielsweise können eine operative Entfernung der Schweißdrüsen oder die Blockade des Sympathikus in Betracht gezogen werden. Wer lokal begrenzt zum Beispiel an Händen oder Füßen schwitzt, hat auch die Möglichkeit, mit einer Stromtherapie (Iontophorese) das Schwitzen zu lindern.
Interessant:

Liegt dem übermäßigen Schwitzen eine Krankheit zugrunde (sekundäre Hyperhidrose), zielt die medizinische Behandlung vorrangig auf die Behandlung dieser ab. Ist die Grunderkrankung unter Kontrolle oder geheilt, verschwindet oder verbessert sich meist auch das Schwitzproblem.

Tanja Albert
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Medizinredakteurin
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