Fokale Hyperhidrose: Örtlich begrenztes Schwitzen

Januar 7, 2020
6 Min.

Schweißflecken unter den Achseln, schwitzige Hände, muffige Schweißfüße – tritt das krankhafte Schwitzen nur in bestimmten Körperbereichen auf, liegt eine sogenannte fokale Hyperhidrose vor. Doch was genau steckt hinter dieser Schwitzform? An welchen Stellen schwitzen Betroffene besonders stark? Und wo ist der Zusammenhang zur primären Hyperhidrose?

Eine fokale Hyperhidrose zeigt sich örtlich begrenzt, beispielsweise nur an den Füßen.


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Örtlich begrenztes Schwitzen

Besteht eine erhöhte Schweißproduktion lediglich in einem kleinen umschriebenen Hautbezirk, spricht man von einer fokalen Hyperhidrose. Mit anderen Worten, die betroffene Körperstelle ist örtlich begrenzt. Ein markantes Merkmal ist zudem das gleichmäßige Schwitzen an beiden Körperhälften, dass bedeutet, die überhöhte Schweißproduktion verläuft symmetrisch – demnach sind zum Beispiel immer beide Hände oder Füße betroffen.

Weiterhin tritt das örtlich begrenzte Schwitzen in den meisten Fällen im Rahmen der primären Hyperhidrose auf. Bei dieser Form ist die genaue Ursache der Schweißausbrüche unbekannt. Sie wird – im Gegensatz zur sekundären Hyperhidrose – also nicht durch eine andere Grunderkrankung hervorgerufen. Stattdessen führt ein überaktiver Sympathikus (Teil des vegetativen Nervensystems) zum übermäßigen Schwitzen. Wie genau es dazu kommt, ist aber noch nicht geklärt.

Interessant:

Liegt eine primäre fokale Hyperhidrose vor, setzen die Symptome während der Schlafphase in der Regel aus. Das liegt vermutlich daran, dass der Sympathikus tagsüber aktiver ist.



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Wo sind die typischen Schwitzherde?

Je nachdem wo der Schwitzherd liegt, kann die Hyperhidrose [https://www.stark-gegen-schwitzen.de/schweiss/hyperhidrose/] näher definiert werden. Das heißt, der Name der entsprechenden Körperstelle fließt in die Krankheitsbezeichnung mit ein.

Bevorzugte Regionen der fokalen Hyperhidrose sind:

  • Stirn (Hyperhidrosis facialis), auch Kopfhaut, Wangen, Nasenregion, Hals oder Nacken können betroffen sein
  • Achselhöhlen (Hyperhidrosis axillaris; axilläre Hyperhidrose)
  • Hände, Handinnenflächen (Hyperhidrosis manuum; palmare Hyperhidrose)
  • Füße, Fußsohlen (Hyperhidrosis peduum; plantare Hyperhidrose)

An den genannten Stellen ist die Anzahl der Schweißdrüsen bei allen Menschen besonders hoch. Hyperhidrose-Patienten haben weder mehr noch größere Schweißdrüsen, diese sind lediglich durch den Sympathikus überstimuliert.

Einteilung der fokalen Hyperhidrose nach Schweregrad

Das krankhafte Schwitzen lässt sich im Bereich der Achseln sowie Hand- und Fußflächen in verschiedene Schweregrade einteilen:1

SchweregradAchselschweißHand- und Fußschweiß
Grad 1: leichte Hyperhidrose
  • Haut ist verstärkt feucht
  • Schweißflecken auf der Kleidung: 5 bis 10 Zentimeter Durchmesser
  • sehr feuchte Hand- oder Fußflächen
Grad 2: mäßig starke Hyperhidrose
  • Bildung von Schweißperlen
  • Schweißflecken auf der Kleidung: 10 bis 20 Zentimeter Durchmesser
  • Entstehung von Schweißperlen
  • Schwitzen beschränkt sich auf Handflächen und Fußsohlen
Grad 3: starke Hyperhidrose
  • Schweiß tropft ab
  • Schweißflecken auf der Kleidung: größer als 20 Zentimeter Durchmesser
  • Schweiß tropft ab
  • Schweißperlen auch an den Streckseiten von Zehen und Fingern, zudem am seitlichen Hand- und Fußrand

Wie wird behandelt?

Da es sich bei der fokalen Form meist auch um eine primäre Hyperhidrose handelt, richtet sich die Therapie nicht nach einer Grunderkrankung oder -beschwerde. Stattdessen erfolgt zunächst eine symptomatische Behandlung. So können im ersten Schritt beispielsweise

Sind diese Maßnahmen unzureichend, ist es möglich, auch operative Verfahren in Betracht zu ziehen. Zur Auswahl stehen unter anderem die Schweißdrüsenentfernung oder die Sympathikus-Blockade. Welche Therapie letztlich zum Einsatz kommt, sollten Betroffene zusammen mit dem behandelnden Arzt besprechen.

Zu welchem Arzt?

Erster Ansprechpartner bei krankhaftem Schwitzen ist der Hausarzt. Alternativ können Sie auch den Hautarzt (Dermatologe) aufsuchen.

Sonderform: Gustatorisches Schwitzen

Eine besondere Stellung der örtlich begrenzten Schweißproduktion hat das gustatorische Schwitzen (Gustatorische Hyperhidrose, Geschmacksschwitzen). Es wird auch als Frey-Syndrom oder Aurikulotemporales Syndrom bezeichnet. Dabei handelt es sich um eine Form des Schwitzens, bei der durch

  • Essen und/oder Trinken jeglicher Art, aber auch
  • Reize wie Bonbon lutschen, beißen, kauen oder
  • bestimmte Geschmacksreize

umschriebene Hautbezirke im Gesicht und Hals stark zu schwitzen beginnen.

Ursachen können zum Beispiel sein:

  • Schädigungen des vegetativen Nervensystems, beispielsweise nach Verletzungen oder Strahlentherapie in der Hals- beziehungsweise Kopfregion
  • Zustand nach Sympathektomie (chirurgischer Eingriff, bei dem Teile des Sympathikus durchtrennt beziehungsweise entfernt werden)
  • Gesichtsnervenlähmung (Fazialisparese)
  • Erkrankungen oder Operationen der Speicheldrüsen

Wahrscheinlich entsteht das gustatorische Schwitzen dadurch, dass sich nach Verletzungen, Operationen oder Entzündungen neue Nervenäste bilden, die nicht richtig verknüpft sind. Immer dann, wenn die Nerven eigentlich die Speicheldrüsen zur Sekretion anregen sollen, sprechen sie stattdessen die Schweißdrüsen an.

Tanja Albert
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Medizinredakteurin
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