Stress-Schwitzen: Was uns den Angstschweiß auf die Stirn treibt

Juli 3, 2020
10 Min.
Mann tupft sich nervös den Angstschweiß während einer Präsentation weg.

Schwitzen ist eine überlebensnotwendige Funktion zur Regulation unserer Körpertemperatur. Über spezielle Drüsen wird Schweiß abgesondert, der dann beim Verdunsten auf der Haut für Abkühlung sorgt. Doch warum schwitzen wir gerade bei Angst, Stress und Aufregung, wie beispielsweise während einer Prüfungssituation, besonders viel? Lesen Sie mehr zu den Ursachen und hilfreichen Tipps gegen Angstschweiß.


Überblick:


Die wichtigsten Antworten zum Thema Angstschweiß:

Warum kommt es bei Aufregung und Stress zu einer vermehrten Schweißbildung?

In einer potenziellen Gefahrensituation wird an die Nerven der Botenstoff Acetylcholin ausgeschüttet. Dem Steinzeitmenschen ermöglichte es zum Beispiel eine schnelle Flucht vor einem Wildtier, der gleichzeitig gebildete Schweiß diente zur Abkühlung.

Was sind typische Angstschweiß-Momente?

Zu stressbedingtem Schwitzen neigen vor allem Menschen, die sich beispielweise in einer Prüfungssituation befinden – sei es das Referat oder der Test in der Schule, das Vorstellungsgespräch oder der Vortrag vor den Kollegen. Aber auch Angst vor einem unangenehmen Arzttermin kann zu Schweißausbrüchen führen.

Und was hilft gegen Stress-Schwitzen?

Lockere Kleidung, die die Haut atmen lässt, Antitranspirantien (Schweißhemmer), der Verzicht auf Alkohol und Nikotin sowie Angstbewältigungsstrategien können dazu beitragen, stressbedingtes Schwitzen zu reduzieren oder gar zu verhindern.

Nervöses Schwitzen – die Vorgänge im Körper

Der menschliche Organismus beherbergt zwei Nervensysteme, das willkürliche und das unwillkürliche. Beide haben unterschiedliche Eigenschaften und Aufgaben:

Unwillkürliches Nervensystem:

Es wird auch vegetatives oder autonomes Nervensystem genannt und reguliert die Vorgänge im Körper, die sich nicht durch den eigenen Willen beeinflussen lassen.1 Hierzu gehören die Organfunktionen, aber auch die Tätigkeit der Drüsen und damit das Schwitzen bei Aufregung, Stress, erhöhter Umgebungstemperatur oder Fieber.

Die zwei Hauptbestandteile des unwillkürlichen Nervensystems sind der Sympathikus und der Parasympathikus:

  • Der Sympathikus ist dafür zuständig, den Körper auf Leistungssteigerungen und Stresssituationen vorzubereiten. Dies beinhaltet unter anderem die Beschleunigung des Herzschlags und der Atmung sowie die Aktivierung der Schweißdrüsen.2
  • Der Parasympathikus hingegen ist der Gegenspieler des Sympathikus und sorgt im Körper für Ruhe und Entspannung. Er verlangsamt den Herzschlag, fördert die Verdauung und erweitert die Blutgefäße.3

Willkürliches Nervensystem:

Das willkürliche Nervensystem ist auch als somatisches oder animalisches Nervensystem bekanntund dient der bewussten Steuerung der Skelettmuskulatur (motorisches System), also beispielsweiseder Bewegung von Armen und Beinen.4,5 Zusätzlich ist die Wahrnehmung von Umweltreizen(sensorisches System), Teil der Aufgaben. Hierzu gehören unter anderem die Wahrnehmungen des Seh-, Hör- und Geruchssinns.6

Wie der Körper schwitzt

Der Sympathikus des unwillkürlichen Nervensystems ist dafür verantwortlich, dass es bei Nervositätzur Schweißbildung kommt. Er tritt automatisch in Aktion, sobald der Organismus sich einer Angst-oder Stresssituation ausgesetzt fühlt. Hierunter kann eine tatsächliche Gefahr für den Körper fallen, also beispielsweise die Panik vor einem Wespenstich bei einem Allergiker, aber auch psychischer Stress, wie etwa die Aufregung vor einem Vorstellungsgespräch. In solch einem Fall wird an den Nerven der Botenstoff Acetylcholin ausgeschüttet, der für die Produktion von Schweiß und damit für das nervöse Schwitzen verantwortlich ist.7

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Situationen, in denen Stress und Angst häufig zu Schwitzen führen

Stressreaktionen haben evolutionsgeschichtlich, also bei unseren Steinzeit-Vorfahren, dafür gesorgt,dass wir überleben – beispielsweise bei der Flucht vor einem Bären. In dieser Situation wurde die Durchblutung von Gehirn und Muskulatur gesteigert, der Herzschlag beschleunigt und die Muskelspannung erhöht. So war der Körper optimal auf Kampf oder Flucht vorbereitet. Um bei diesen Aktivitäten nicht zu überhitzen, aktiviert der Körper zeitgleich die Schweißdrüsen und es kam zum Stress-Schwitzen.

Im heutigen Zeitalter sind die körperlichen Reaktionen die gleichen geblieben, wohingegen die wenigsten Menschen gefährlichen Tieren in ihrem Alltag begegnen. Die Stressoren (Ursachen für Stress) haben sich stattdessen geändert.

Zu den heutigen Stress- oder Angstauslösern zählen unter anderem:

  • schriftliche Prüfungen
  • Bewerbungsgespräche
  • Präsentationen vor großen Menschenmengen
  • unangenehme Arztbesuche (zum Beispiel Wurzelbehandlung beim Zahnarzt)
  • mündliche Abfragen in der Schule

Das Gehirn bewertet diese Situationen als potenziell gefährlich und signalisiert dem zuständigen Nervensystem Stress – und schon fließt der Angstschweiß.

Interessant!

Stress bedingtes Schwitzen bei Aufregung betrifft vor allem die apokrinen Schweißdrüsen (Duftdrüsen) der behaarten Körperteile (zum Beispiel Genitalbereich, Achseln, Gesicht). Sie bilden zusammen mit dem Schweiß den typischen Körpergeruch eines Menschen.8

Dient das Schwitzen der reinen Thermoregulation (Konstanthaltung der Körpertemperatur), treten in erster Linie die schweißproduzierenden ekkrinen Drüsen in Aktion. Diese sind über die ganze Haut, aber vor allem im Bereich der Hand-und Fußinnenflächen verteilt.9

Übrigens: Angstschweiß ist außerdem ein typisches Symptom psychischer Erkrankungen. Beispiele wären hier Panikattacken (starke und plötzlich auftretende Angstanfälle) und eine primäre Angststörung (Ängste und Sorgen haben „sich verselbstständigt“ und keinen Bezug zur Wirklichkeit).10 Betroffene sollten sich nicht scheuen, professionelle Hilfe bei einem Psychologen oder Psychotherapeuten zu suchen.

Stress & Schwitzen: Den Teufelskreis durchbrechen!

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Das Schwitzen, in mit Stress und Angst verbundenen Situationen, kann die sowieso schon bestehende psychische Belastung noch vergrößern. Soversucht beispielsweise ein Redner bei einem Vortrag vor einer großen Menschenmenge nicht selten, trotz großer Aufregung möglichst entspannt und ruhig zu wirken. Angstschweiß, vor allem Schweißperlen im Gesicht und feuchte Abdrücke unter den Armen machen jedoch oft erst auf die nervöse Anspannung aufmerksam. Bei vielen Menschen sorgt dieses„sich ertappt fühlen“ für zusätzlichen Stress und damit noch intensiverem Schwitzen.

Ein paar der folgenden Tipps können helfen, dem Teufelskreis zu entgehen:

  • Weite Kleidung oder spezielle Schweiß-Shirts tragen, die der Haut Luft zum Atmen lassen.
  • Schweißauslösende Genussmittel wie Nikotin oder Koffein meiden.
  • Ausreichend trinken um eine Dehydrierung (Austrocknung) des Körpers zu verhindern und den Körper von innen abzukühlen.
  • Benutzen von wirkungsvollen Antitranspirantien (Schweißhemmer).

Das Wichtigste bei Angstschweiß beziehungsweise nervösem Schwitzendurch Stress ist jedoch: Aufregung vermeiden. Dies bedeutet nicht, unangenehmen Situationen aus dem Weg zu gehen, sondern zu lernen, besser mit ihnen umzugehen. Ein wichtiger Schrittauf diesem Weg ist das Erlernen effektiver Stressbewältigungsstrategien und Entspannungstechniken, um das Nervensystem zu beruhigen.

Bewährte Methoden sind hier beispielsweise

  • autogenes Training,
  • Meditation oder
  • spezielle Atemübungen.

Je gelassener Sie mit Stresssituationen umgehen, desto weniger Grund hat der Organismus, in Alarmbereitschaft zu geraten. Beim Erlernen der Entspannungstechniken können spezielle Bücher, Seminare oder der Rat eines Psychologen helfen – besonders, wenn die Beschwerden in Kombination mit psychischen Belastungen, wie Panikattacken, einhergehen.

Carolin Stollberg
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Medizinredakteurin
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