Stress und Schwitzen: So hängen diese beiden Faktoren zusammen

Frau schwitzt bei Stress

Schwitzen ist eine überlebensnotwendige Funktion zur Regulation unserer Körpertemperatur. Über spezielle Drüsen wird Schweiß abgesondert, der dann beim Verdunsten auf der Haut für Abkühlung sorgt.

Doch warum schwitzen wir gerade bei Stress und Aufregung besonders viel?



Nervöses Schwitzen – die Vorgänge im Körper

Der menschliche Organismus beherbergt zwei Nervensysteme: das willkürliche und das unwillkürliche. Beide haben unterschiedliche Eigenschaften und Aufgaben:

  • Unwillkürliches Nervensystem: wird auch vegetatives oder autonomes Nervensystem genannt und reguliert die Vorgänge im Körper, die sich nicht durch den eigenen Willen beeinflussen lassen. Hierzu gehören die Organfunktionen, aber auch die Tätigkeit der Drüsen und damit das Schwitzen bei Aufregung, Stress, erhöhter Umgebungstemperatur oder Fieber. Die zwei Hauptbestandteile des unwillkürlichen Nervensystems sind der Sympathikus und der Parasympathikus. Der Sympathikus ist dafür zuständig, den Körper auf Leistungssteigerungen und Stresssituationen vorzubereiten. Dies beinhaltet unter anderem die Beschleunigung des Herzschlags und der Atmung sowie die Aktivierung der Schweißdrüsen. Der Parasympathikus hingegen ist der Gegenspieler des Sympathikus und sorgt im Körper für Ruhe und Entspannung. Er verlangsamt den Herzschlag, fördert die Verdauung und erweitert die Blutgefäße.
  • Willkürliches Nervensystem: wird auch als somatisches oder animalisches Nervensystem bezeichnet und dient der bewussten Steuerung der Skelettmuskulatur (motorisches System), also beispielsweise der Bewegung von Armen und Beinen. Zusätzlich ist die Wahrnehmung von Umweltreizen (sensorisches System) Teil der Aufgaben. Hierzu gehören unter anderem der Seh-, Hör und Geruchssinn.

Damit es überhaupt zum Schwitzen bei Stress kommt, muss der Sympathikus des unwillkürlichen Nervensystems aktiv sein. Er tritt automatisch in Aktion, sobald der Organismus sich einer Angst- oder Stresssituation ausgesetzt fühlt. Hierunter kann eine tatsächliche Gefahr für den Körper fallen, also beispielsweise die Panik vor einem Wespenstich bei einem Allergiker, aber auch psychischer Stress, wie etwa die Aufregung vor einem Vorstellungsgespräch. In solch einem Fall wird an den Nerven der Botenstoff Acetylcholin ausgeschüttet, der für die Produktion von Schweiß und damit das nervöse Schwitzen sorgt.

Situationen, in denen Stress häufig zu Schwitzen führt

Stressreaktionen haben evolutionsgeschichtlich dafür gesorgt, dass wir überleben – beispielsweise bei der Flucht vor einem Bären. In dieser Situation wurde die Durchblutung von Gehirn und Muskulatur gesteigert, der Herzschlag beschleunigt und die Muskelspannung erhöht. So war der Körper optimal auf Kampf oder Flucht vorbereitet. Um bei diesen Aktivitäten nicht zu überhitzen, wurden zeitgleich die Schweißdrüsen des Körpers aktiviert und es kam zum Stress-Schwitzen. Im heutigen Zeitalter sind die körperlichen Reaktionen die gleichen geblieben, wohingegen sich die Stressoren (Ursachen für Stress) im Alltag geändert haben. Hierzu zählen unter anderem:

  • Schriftliche Prüfungen
  • Bewerbungsgespräche
  • Präsentationen vor großen Menschenmengen
  • unangenehme Arztbesuche (zum Beispiel Wurzelbehandlung beim Zahnarzt)
  • mündliche Abfragen in der Schule

Das Gehirn bewertet diese Situationen als potentiell gefährlich und signalisiert dem zuständigen Nervensystem Stress – das nervöse Schwitzen beginnt.

Interessant! Stress bedingtes Schwitzen bei Aufregung betrifft vor allem die apokrinen Schweißdrüsen (Duftdrüsen) der behaarten Körperteile (zum Beispiel Genitalbereich, Achseln, Gesicht). Sie bilden zusammen mit dem Schweiß den typischen Körpergeruch eines Menschen. Dient das Schwitzen der Thermoregulation (Konstanthaltung der Körpertemperatur), treten in erster Linie die schweißproduzierenden ekkrinen Drüsen in Aktion. Diese sind über die ganze Haut verteilt.

Hilfe bei Stress-Schwitzen

Das Schwitzen in mit Stress verbundenen Situationen kann die sowieso schon bestehende psychische Belastung noch vergrößern. Bei beispielsweise einem Vortrag vor einer großen Menschenmenge versucht der Redner trotz großer Aufregung möglichst entspannt und ruhig zu wirken. Schweißperlen im Gesicht und feuchte Abdrücke unter den Armen können jedoch verräterisch auf die Anspannung aufmerksam machen. Bei vielen Menschen sorgt dieses „sich ertappt fühlen“ für noch mehr Stress und damit noch intensiverem nervösen Schwitzen. Ein paar der folgenden Tipps können helfen, dem Teufelskreis zu entgehen:

  • Weite Kleidung tragen, die der Haut Luft zum Atmen lässt.
  • Schweißauslösende Genussmittel wie Nikotin oder Koffein meiden.
  • Ausreichend trinken, da ein ausgetrockneter Körper noch mehr schwitzt, um sich abzukühlen.
  • Benutzen von wirkungsvollen Antitranspirantien.

Das wichtigste bei nervösem Schwitzen durch Stress ist jedoch: Aufregung vermeiden. Dies bedeutet nicht, unangenehmen Situationen aus dem Weg zu gehen, sondern zu lernen, besser mit ihnen umzugehen. Ein wichtiger Schritt auf diesem Weg ist das Erlernen effektiver Stressbewältigungsstrategien und Entspannungstechniken, um das Nervensystem zu beruhigen. Bewährte Methoden sind hier beispielsweise autogenes Training, Meditation oder spezielle Atemübungen. Je gelassener Sie mit Stresssituationen umgehen, desto weniger Grund hat der Organismus, in Alarmbereitschaft zu geraten. Beim Erlernen der Entspannungstechniken können spezielle Bücher, Seminare oder der Rat eines Psychologen helfen.

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1Hyperhidrose – Ursachen und Therapie von übermäßigem Schwitzen. URL: https://aerzteblatt.de/archiv/63004/Hyperhidrose-Ursachen-und-Therapien-von-uebermaessigem-Schwitzen (04.05.2018).