Hitzewallungen in den Wechseljahren: Ursachen und Hilfe

April 7, 2020
11 Min.

Wellenartig brechen sie über viele Frauen herein, ihnen wird plötzlich ganz heiß und ihr Gesicht rötet sich – Hitzewallungen sind wohl das bekannteste Symptom während der Wechseljahre. In dieser Phase durchläuft Frau einige hormonelle Veränderungen, an die sie sich erst gewöhnen muss. Doch was genau passiert im weiblichen Körper? Und wie können sich betroffene Frauen helfen?


Überblick:

Hitzewallungen — ein typisches Wechseljahresproblem

Frau fächert sich Luft zu, weil sie an Hitzewallungen in den Wechseljahren leidet.

Etwa ab dem 45. Lebensjahr erfahren viele Frauen eine hormonelle Umstellung: die Wechseljahre (Klimakterium).1 Sie leiten das Ende der weiblichen Fruchtbarkeit ein. Begleitet wird dies häufig von zahlreichen, mehr oder weniger belastenden körperlichen Veränderungen. Die wohl bekanntesten Wechseljahresbeschwerden sind Hitzewallungen (auch als fliegende Hitze bezeichnet). Sie beginnen in der Regel im Brustbereich und breiten sich über Hals, Gesicht und Oberarme aus. Typischerweise werden sie von

  • Hautrötungen,
  • Schweißausbrüchen und
  • gelegentlichem Herzklopfen (als Reaktion des Kreislaufs)

begleitet. Die Dauer eines solchen Schubes reicht von wenigen Sekunden bis zu mehreren Minuten – jede Hitzewelle kann unterschiedlich lange und intensiv ausfallen. Und auch die Häufigkeit, in denen die Beschwerden auftreten, ist sehr unterschiedlich: Manche überfällt der plötzliche Hitzeschub nur gelegentlich, andere sind bis zu 30 Mal pro Tag davon betroffen.2 Der Großteil der Frauen leidet im Durchschnitt 5,2 Jahre an den Beschwerden.3

Interessant:

Krankhaftes Schwitzen wird als Hyperhidrose bezeichnet. Sie tritt entweder ohne erkennbare körperliche Ursachen auf (primäre Hyperhidrose), oder im Rahmen einer Krankheit beziehungsweise anderer Beschwerden (sekundäre Hyperhidrose). Zur letzteren Gruppe gehören auch die vermehrten Schweißausbrüche, die während der Wechseljahre entstehen können.


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Ursache für Hitzewallungen: Hormoneller Wandel

In den fruchtbaren Lebensphasen einer Frau sorgen vor allem die Eierstöcke für die Bildung der Geschlechtshormone Östrogen und Progesteron. Das fein regulierte Zusammenspiel von Hormonen ist dafür verantwortlich, dass der weibliche Zyklus in einem monatlich wiederkehrenden Rhythmus abläuft und bereitet zudem den weiblichen Körper beispielsweise auf eine mögliche Schwangerschaft vor.

Mit Beginn der Wechseljahre wird die Östrogen- und Progesteronproduktion in den Eierstöcken jedoch langsam reduziert. Häufig ist ein unregelmäßiger Zyklus (zum Beispiel mit verzögerter oder ausbleibender Regelblutung) das erste Anzeichen. Bei einigen Frauen bleibt dies auch der einzige Hinweis auf die abnehmende Fruchtbarkeit, während andere zusätzliche körperliche Symptome wie Hitzewallungen und vermehrtes Schwitzen verspüren.

Die genauen Ursachen für die Hitzewallungen sind noch nicht abschließend geklärt. Es wird jedoch vermutet, dass der schwankende Östrogenspiegel eine Rolle spielt.


Schon gewusst?

Die Wechseljahre verlaufen in drei Phasen: Den Anfang macht die Prämenopause, die sich bei einigen Frauen bereits ab Mitte 40 durch Hitzewallungen, Schweißausbrüche und einen unregelmäßigen Zyklus zeigt.1 Sobald die letzte Blutung eingetreten ist, liegt die Menopause vor. Zu diesem Zeitpunkt sind Frauen im Durchschnitt 51 Jahre alt.1 Dem schließt sich eine Phase an, in der mindestens 12 Monate lang keine Menstruation stattfindet.4 Danach beginnt die Postmenopause, in der die Östrogen- und Progesteronproduktion ihren Tiefpunkt erreicht.

Das Klimakterium ist häufig durch weitere körperliche und emotionale Veränderungen geprägt. Beispielsweise werden die eigenen Kinder selbständig und ziehen aus. Viele Paare müssen sich nun neu finden und ihre Zweisamkeit wiederentdecken. Andere Frauen orientieren sich beruflich nochmals um oder treten kürzer, weil sie sich um pflegebedürftige Eltern kümmern müssen. Alles in allem sind dies Faktoren, die auf die Beschwerden der Wechseljahre Einfluss nehmen können.

Auch wenn die Wechseljahre für viele Frauen eine stürmische Zeit darstellen, sollten sie versuchen, dem mit Gelassenheit zu begegnen – denn das beste Mittel ist eine positive Lebenseinstellung. Mit ausreichend Ruhe, viel Bewegung und einer gesunde Ernährung können Sie den Wechseljahren entspannt entgegenblicken.

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Diagnose: Sind die Wechseljahre schuld an den Hitzewallungen?

Sollte es zu Hitzewallungen und Schweißausbrüchen kommen, die den Alltag stark einschränken beziehungsweise die Lebensqualität beeinträchtigen, bietet es sich an, zunächst den Hausarzt aufzusuchen. Dieser kann eine eindeutige Diagnose stellen, denn nicht immer müssen die Wechseljahre hinter den Beschwerden stecken. Andere Ursachen wie

  • eine Schilddrüsenüberfunktion,
  • Diabetes mellitus oder
  • Allergien

können ebenfalls infrage kommen. Um Klarheit bezüglich des Auslösers zu schaffen, führt der Mediziner neben einem ausführlichen Gespräch und körperlichen Untersuchungen meist weitere Tests durch, beispielsweise Bluttests zur Bestimmung der Schilddrüsen- oder Zuckerwerte. Bestätigt sich der Verdacht auf die Wechseljahre, können gynäkologische Untersuchungen beim Frauenarzt folgen.

Medikamente und Naturheilmittel – Behandlungsmöglichkeiten bei Hitzewallungen

Zwar sind die Wechseljahre an sich keine Erkrankung, jedoch können die damit einhergehenden Symptome wie Hitzewallungen und Schweißausbrüche belastend sein. Um für Linderung zu sorgen, kann der Arzt beispielsweise

Zu den bekanntesten medikamentösen Behandlungsmethoden zählt die Hormontherapie oder Hormonersatztherapie (HET). Durch die Einnahme von entweder nur Östrogen (Monotherapie) oder einer Kombination von Östrogen und Gestagen (Kombinationstherapie) soll der Mangel an weiblichen Hormonen ausgeglichen werden. Da die Einnahme von künstlichen Hormonen umstritten ist, sollten sich Betroffene vorher ausführlich von einem Arzt beraten lassen. Dieser klärt, ob sich eine Hormonersatztherapie für die Patientin eignet.

Dem synthetischen Behandlungsweg stehen Naturheilmittel gegenüber. Frauen, die Wechseljahresbeschwerden natürlich behandeln möchten, greifen gezielt zu Pflanzen beziehungsweise deren Extrakten, die sogenannte Phytoöstrogene (sekundäre Pflanzenstoffe mit Hormonwirkung) enthalten. Zu diesen zählen unter anderem Traubensilberkerze oder auch Rotklee, Salbei, Frauenmantel, Schafgarbe und Soja. Insbesondere bei leichten bis mittelschweren Beschwerden können pflanzliche Mittel Linderung verschaffen. Da Langzeitstudien zu möglichen Nebenwirkungen bislang fehlen, ist es ratsam, vor der Therapie einen Arzt aufzusuchen, um die Behandlung individuell auf die Bedürfnisse der Patientin anzupassen.

Hausmittel und Tipps bei Hitzewallungen – was Sie selbst tun können

Diese Tipps gegen Hitzewallungen in den Wechseljahren helfen gegen Beschwerden.

Hitzewallungen und Schweißausbrüche können durch verschiedene Umstände noch verstärkt werden. Zu diesen Faktoren zählen unter anderem:

  • Alkohol, Kaffee oder schwarzer Tee (Reizmittel, die den Blutdruck erhöhen und die Schweißdrüsen aktivieren)
  • heiße Speisen und Getränke
  • stark gewürzte und scharfe Speisen
  • Stress (Ausschüttung des Botenstoffs Acetylcholin, der für die Schweißproduktion verantwortlich ist)
  • Übergewicht
  • zu warme Kleidung

Um Hitzewallungen und Schweißausbrüche zu vermeiden, können deshalb die folgenden Tipps und Hausmittel helfen:

  1. Kleiden Sie sich nach dem Zwiebelprinzip: So können Sie Ihre Kleidungsschichten nach Bedarf ablegen und Ihrem Wohlbefinden anpassen.
  2. Meiden Sie Kleidung aus Kunst- und Synthetikfasern: Auch Bettwäsche und Schlafanzüge aus Kunstfasern führen dazu, dass Sie verstärkt schwitzen. Setzen Sie stattdessen auf Kleidungsstücke aus natürlichen Materialien wie Leinen. Diese besitzen kühlende Eigenschaften und fühlen sich angenehm auf der Haut an.
  3. Achten Sie auf eine bewusste Ernährung: Vermeiden Sie schwer verdauliches und stark gewürztes Essen.
  4. Sorgen Sie für ausreichend Bewegung: Durch regelmäßigen Sport können Sie Ihr Idealgewicht halten – Menschen mit Übergewicht sind häufiger von starkem Schwitzen betroffen.
  5. Starten Sie mit Wechselduschen in den Tag: Durch das zunächst warme Wasser weiten sich die Gefäße – die anschließende kalte Dusche (von unten am Fuß nach oben wandern, danach die Arme) führt dazu, dass sich die Gefäße rasch wieder zusammenziehen. Durch den Warm-Kalt-Wechsel ist es möglich, die Durchblutung anzuregen und den Kreislauf in Schwung zu bringen.
  6. Senken Sie Ihr Stresslevel: Entspannungsübungen wie Yoga, Pilates oder autogenes Training können dabei helfen, Stress abzubauen. Denn dieser kann ebenfalls zu einer erhöhten Schweißproduktion führen.
  7. Schaffen Sie eine ideale Schlafumgebung: Manche Betroffene leiden verstärkt unter nächtlichem Schwitzen, weshalb es nicht selten zusätzlich zu Schlafstörungen kommt. Um schweißgebadetes Aufwachen zu vermeiden, sollten Frauen auf eine kühle Umgebung achten und Bettwäsche aus Leinen (nimmt Flüssigkeit gut auf) oder Seide (hat einen kühlenden Effekt) wählen. Legen Sie sich außerdem eine zweite Decke und Wechselkleidung neben das Bett. So können Sie die nassgeschwitzten Textilien gegen trockene tauschen und müssen nachts nicht frieren.

Für unterwegs ist es zudem ratsam, Körperpflege-Sets (beispielsweise Erfrischungstücher oder Deodorants) in die Tasche zu packen, um sich nach einer Hitzewallung wieder frisch zu fühlen.

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Tanja Albert
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Medizinredakteurin
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