Krankhafte Schweißausbrüche: Warum schwitzen Diabetiker?

Oktober 21, 2020
10 Min.
Eine Insulinspritze und regelmäßige Arztbesuche gehören für Menschen mit Diabetes zur Routine, um Symptome wie Schwitzen unter Kontrolle zu halten.

Bei Diabetes mellitus handelt es sich um eine chronische Stoffwechselstörung. Der Blutzuckerspiegel von Betroffenen ist zeitweise oder dauerhaft erhöht. Die sogenannte Zuckerkrankheit geht mit einer Reihe von Symptomen einher, zu denen auch vermehrtes Schwitzen zählt.



Überblick:


Wichtige Fragen zu Schwitzen bei Diabetes:

Was bedeutet Schwitzen bei Diabetes?
In der Regel ist starkes Schwitzen bei Diabetikern ein frühes Symptom für eine Unterzuckerung (Hypoglykämie).

Warum schwitzen Diabetiker nachts?
Auch in der Nacht kann es zu einer Unterzuckerung kommen. Infolge dieser schwitzen Betroffene während des Schlafes, wachen aber nicht immer davon auf.

Ist starkes Schwitzen ein erstes Anzeichen für Diabetes?
Möglicherweise. Tritt der Schweißausbruch regelmäßig nach dem Verzehr einer Mahlzeit auf, kann durchaus ein unerkannter Diabetes die Ursache sein. In dem Fall bringt ein Blutzuckertest Aufschluss, ob eine entsprechende Erkrankung vorliegt. Diesen führt zum Beispiel der Hausarzt durch.


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Unterzuckerung (Hypoglykämie) als potenzielle Ursache

Eine Unterzuckerung, medizinisch Hypoglykämie genannt, kommt sowohl bei Diabetikern als auch bei gesunden Menschen vor. Dennoch sind Personen mit Diabetes besonders oft davon betroffen, da die Hypoglykämie eine typische Begleiterscheinung der Behandlung ist. Im Rahmen der Insulintherapie, die Diabetiker zur Verbesserung des Stoffwechsels erhalten, häuft sich die Unterzuckerung. Sie tritt dann auf, wenn die Menge des Insulins (Hormon zur Regulierung der Zuckeraufnahme in die Körperzellen) und die aufgenommene Kohlenhydratmenge nicht zusammenpassen. Das kann beispielsweise in folgenden Situationen passieren:

  • zu langer Abstand zwischen Spritzen und Essen
  • überhöhte Insulinaufnahme (etwa durch fehlerhafte Berechnung der Dosis)
  • Aufnahme von zu wenig Kohlenhydraten (zum Beispiel aufgrund falsch berechneter Kohlenhydratmenge oder bei Magen-Darm-Erkrankungen)
  • durch Wechselwirkungen von Medikamenten
  • nach dem Sport

Gut zu wissen

Von einer Unterzuckerung sprechen Experten, wenn der Blutzucker unter einen Wert von 3,88 mmol/l (Millimol pro Liter) oder 70 mg/dl (Milligramm pro Deziliter) fällt.1


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Mögliche Symptome einer Unterzuckerung

Die Hypoglykämie geht mit einer Reihe sehr unterschiedlicher Anzeichen einher. Zu den Symptomen einer Unterzuckerung zählen unter anderem:

  • Schwitzen
  • Zittern
  • Herzklopfen
  • Heißhunger
  • Durst
  • Wortfindungsstörungen
  • Leistungs- oder Konzentrationsschwäche
  • Schläfrigkeit
  • Sehstörungen (zum Beispiel zahlreiche kleine, dunkle Punkte im Sichtfeld)
  • Schwindel
  • Übelkeit
  • Kopfschmerzen

Schweißausbrüche sind bei Diabetikern häufig eines der ersten Anzeichen für eine Unterzuckerung. Der Körper reagiert auf diese Stresssituation und signalisiert so, dass das Gehirn zu wenig Zucker bekommt. Betroffene Personen schwitzen an der Stirn, am ganzen Körper und haben nasse Handflächen. In diesem Fall sollten die Patienten schnell handeln und beispielsweise Traubenzucker oder ein zuckerhaltiges Getränk zu sich nehmen. Nach circa 15 Minuten muss der Blutzuckerwert gemessen werden, um zu kontrollieren, ob der Blutzucker ansteigt.1 Komplexe Kohlenhydrate (längere Molekülstruktur; heben den Blutzuckerspiegel langsam an) wie etwa eine Banane oder ein Brot stabilisieren im nächsten Schritt den Wert.

Vorsicht!

Bei einer starken Unterzuckerung ist auch eine Bewusstlosigkeit möglich. Dann sollten anwesende Personen umgehend den Notarzt alarmieren und den Betroffenen bis zum Eintreffen des Mediziners in die stabile Seitenlage bringen.

Schwitzen in der Nacht – ein Zeichen für Unterzuckerung

Eine Hypoglykämie tritt sowohl tagsüber als auch in der Nacht auf. Kommt sie während des Schlafes vor, kann es sein, dass Betroffene davon nicht aufwachen und einfach „drüberschlafen“. Erst am nächsten Morgen gibt ein durchnässter Schlafanzug oder ein feuchtes Bettlaken einen Hinweis auf den nächtlichen Schweißausbruch. Hinzu kommen häufig Anzeichen wie etwa Gereiztheit oder Müdigkeit am darauffolgenden Morgen.

Das Problem dabei ist allerdings: Häufen sich diese „überschlafenen“ Unterzuckerungen, wird das unter Umständen gefährlich. Denn genauso wie eine Hypoglykämie bei Tag, hat eine dauerhafte Unterzuckerung nachts möglicherweise schwere Folgen, beispielsweise Nervenschädigungen. Aus diesem Grund sollte ein Mediziner die Insulintherapie bei nächtlichem Schwitzen eventuell anpassen. Gegebenenfalls kann es helfen, auch in der Nacht den Blutzuckerspiegel zu messen. Der Hausarzt gibt in diesen Fällen Hilfestellung. Die gute Nachricht: Experten gehen davon aus, dass die nächtlichen Symptome mit der Zeit nachlassen. Warum das so ist, bleibt zunächst noch ungeklärt.

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Exkurs: Diabetes mellitus

Nach dem Essen steigt der Blutzuckerspiegel an. Der in der Nahrung enthaltene Zucker wird für die Körperzellen gebraucht. Damit diese ihn jedoch aufnehmen können, benötigt der Körper das Hormon Insulin. Es wird in der Bauchspeicheldrüse gebildet und bei Bedarf – abhängig vom Blutzuckerspiegel – ins Blut abgegeben. Die Aufgabe des Insulins ist somit das Einschleusen von Zucker in die Zellen. Auf diese Weise sinkt der Blutzuckerspiegel wieder ab.

Schon gewusst?

„Diabetes“ lässt sich aus dem Griechischen ableiten und bedeutet so viel wie „hindurchfließen“. Der Zusatz „mellitus“ stammt aus dem Lateinischen und heißt „honigsüß“.

Somit wird der Begriff allgemein mit „honigsüßer Durchfluss“ übersetzt. Das umschreibt die Zuckerkrankheit gut, denn die Ausschneidung von Zucker im Urin zählt zu den Hauptsymptomen.

Experten unterscheiden mehrere Arten von Diabetes. Die häufigsten sind:

  • Typ-1-Diabetes („jugendlicher Diabetes“): Diese Form tritt überwiegend im Kindes- und Jugendalter auf. Für gewöhnlich liegt bei Betroffenen eine erbliche Vorbelastung vor. Bei Typ-1-Diabetes richtet sich das Immunsystem gegen den eigenen Körper und zerstört diejenigen Zellen der Bauchspeicheldrüse, die das Insulin produzieren. Die Folge: Es wird weniger Insulin gebildet, sodass der Blutzucker ansteigt. Jene Form ist nicht heilbar; Patienten müssen ihr Leben lang Insulin spritzen.
  • Typ-2-Diabetes: Diese Art bezeichneten Experten früher auch als „Altersdiabetes“, weil sie vor allem bei älteren Menschen vorkommt. Mittlerweile sind jedoch immer häufiger auch junge Menschen und sogar Kinder betroffen. Als wichtigste Ursachen gelten neben erblicher Veranlagung Bewegungsmangel und Übergewicht. Eine über Jahre andauernde Überproduktion von Insulin führt dazu, dass die insulinproduzierenden Zellen erschöpft sind und nicht mehr ausreichend Insulin für den erhöhten Bedarf liefern können. Außerdem kann die Ausschüttung des Insulins aus den Zellen der Bauchspeicheldrüse gestört sein. Als primäre Therapiemethoden gelten zunächst eine Ernährungsumstellung und ausreichend Bewegung. Erst danach versuchen Ärzte den Blutzucker mit Antidiabetika, beispielsweise in Tablettenform, zu regulieren. Als letzte Maßnahme müssen Patienten mit Typ-2-Diabetes Insulin spritzen.
  • Schwangerschaftsdiabetes: Der sogenannte Gestationsdiabetes (auch Typ-4-Diabetes genannt) kann während einer Schwangerschaft auftreten und verschwindet für gewöhnlich nach der Geburt des Kindes wieder. Erbliche Veranlagung, Übergewicht und ein höheres Alter der Schwangeren (über 35 Jahre) begünstigen die Entstehung.2 Es ist nötig, den Schwangerschaftsdiabetes durch entsprechende Tests frühzeitig zu diagnostizieren, um Komplikationen wie Schwangerschaftsvergiftungen oder gar Fehlgeburten zu verhindern. Eine Ernährungsumstellung und gegebenenfalls das Spritzen von Insulin sind in dem Fall gängige Behandlungsmethoden.

Grundsätzlich ist wichtig, dass der Diabetes erkannt und behandelt wird, um Folgen wie Nerven- oder Gefäßschäden zu vermeiden. Bei einem Verdacht empfiehlt sich somit dringend der Arztbesuch.

Monika Hortig
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Medizinredakteurin
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