Schwitzen in der Pubertät – im Schweißbad der Gefühle

Als wäre die Zeit, in der sich der Körper und auch das Seelenleben ziemlich dramatisch verändern, nicht schon schwierig genug, machen vielen Jugendlichen starke Schwitzattacken zu schaffen. Selbst dann, wenn sie sich körperlich gar nicht anstrengen. In der Pubertät vermehrt zu schwitzen, ist normal. Aber warum ist das so? Und was können Pubertierende gegen Schweißflecken und unangenehme Gerüche tun?

Hormone als Ursache von vermehrtem Schwitzen in der Pubertät

Jugendliche schwitzen in der Pubertät

Auf dem Weg zum Erwachsenwerden durchlaufen Jungen und Mädchen verschiedene körperliche Veränderungen. Maßgeblichen Einfluss darauf, dass aus Mädchen Frauen und aus Jungen Männer werden, haben die Hormone. Diese sorgen in der Teenagerzeit aber nicht nur für einen mächtigen Wachstumsschub und die Entwicklung der Geschlechtsmerkmale, sondern bringen ebenso die Schweißdrüsen ganz schön durcheinander – mit der Folge, dass Jugendliche in der Pubertät vermehrt Schwitzen.

Schwitzen ist eine wichtige Körperfunktion. Die Schweißproduktion dient der Kühlung des Körpers, damit wir nicht überhitzen. Dafür besitzt der Mensch abhängig von seiner Körperoberfläche etwa zwei bis vier Millionen ekkrine (nach außen hin absondernde) Schweißdrüsen, die gleichmäßig über den ganzen Körper verteilt sind1. Durch die Hormonumstellung in der Pubertät reagieren diese ekkrinen Schweißdrüsen jedoch besonders sensibel. Das heißt, sie arbeiten häufig auch, wenn eigentlich keine Kühlung notwendig wäre.

Schweißgeruch in der Pubertät

Neben den ekkrinen Schweißdrüsen besitzt der Mensch noch etwas größere, apokrine Schweißdrüsen, die für den typischen Körpergeruch von Jungen und Mädchen während der Pubertät maßgeblich verantwortlich sind. „Apokrin“ bedeutet, dass die Drüsen neben dem Schweiß auch Teile ihrer Zellen absondern. Diese Schweißdrüsen, auch „Duftdrüsen“ genannt, sind nur an bestimmten Körperstellen zu finden

  • Achselhöhle,
  • Brustwarze,
  • Genital- und Analgegend,
  • Bauchnabel und
  • einige wenige im Gesicht.

Diese Schweißdrüsen nehmen ihre Arbeit erst mit Beginn der Pubertät unter Einfluss der Geschlechtshormone auf.

Gut zu wissen:

Schweiß ist eigentlich völlig geruchsfrei. Er beginnt erst zu riechen, wenn er auf der Hautoberfläche von Bakterien zersetzt wird.

Die Duftdrüsen werden durch Gefühle angeregt, Sekret zu produzieren: Angst, Nervosität, Unsicherheit oder ein Gefühl sexueller Erregung– besonders typische Gefühlszustände für die Zeit der Pubertät – können eine wahre Schweißflut auslösen. Ist die Pubertät überstanden, nimmt das Schwitzen in der Regel wieder ab.

Körpergeruch in der Pubertät bei Jungen und Mädchen

Der Schweißgeruch bei Männern und Frauen unterscheidet sich in der Pubertät voneinander. Während der Geruch von Frauen als sauer beschrieben wird, entwickeln Jungen in der Pubertät einen eher stechenden, beißenden Körpergeruch. Grund dafür sind unterschiedliche Arten von Bakterien. Aber der Schweißgeruch ist nicht nur unangenehm, er hat ebenfalls einen tieferen Sinn. Denn in den Duftstoffen sind Lockstoffe enthalten, die das andere Geschlecht wahrnimmt und anziehend finden kann, ohne sie bewusst zu riechen.

Tipps gegen das Schwitzen in der Pubertät

Starkes Schwitzen und insbesondere auffälliger Körpergeruch sind Jugendlichen meist peinlich. Wer in der Pubertät stark schwitzt, zieht sich deshalb nicht selten zurück, um Kommentaren von Mitschülern aus dem Weg zu gehen. Aber es gibt einige Tipps, um den unangenehmen Schweißgeruch zu neutralisieren:

  • Täglich duschen sollte selbstverständlich sein. Am besten ziehen Jugendliche nach dem Waschen gleich frische Kleidung an.
  • Das Entfernen von Achselhaaren kann ebenfalls dazu beitragen, den Schweißgeruch einzudämmen. Denn dort sammelt sich der Schweiß häufig.
  • Deos können zwar die Schweißbildung nicht reduzieren, aber bei mäßigem Achselschweiß den unangenehmen Geruch überdecken.
  • Antitranspirante enthalten Aluminiumsalze, die die Schweißdrüsen verstopfen und somit die Schweißbildung einschränken können. Sie sollten vor allem abends vor dem Schlafengehen angewendet werden, damit sie – während der Körper ruht – ihre volle Wirkung entfalten können und den nächsten Tag über Schutz bieten.
  • Waschungen mit Salbeiaufgüssen oder Apfelessig wirken adstringierend, also zusammenziehend auf die Schweißdrüsen.
Wichtig:

Ausreichend zu trinken ist wichtig, damit dem Körper genug Flüssigkeit zugeführt wird, die er durch das Schwitzen verlieren kann. Gut geeignet sind Fruchtschorlen oder Mineralwasser, weil sie dem Körper wichtige Mineralstoffe zuführen, die mit dem Schweiß ausgeschieden werden. Anregende Getränke wie Kaffee oder Alkohol fördern hingegen das Schwitzen in der Pubertät.

Schwitzen in der Pubertät – was ist normal?

Bei den meisten Jugendlichen normalisiert sich das übermäßige Schwitzen mit Ende der Pubertät wieder. Man weiß aber leider nicht vorher, ob dies so sein wird. Wer sich durch die Schwitzattacken sehr beeinträchtigt fühlt, sollte deshalb einen Arzt aufsuchen. Starkes Schwitzen kann ein Anzeichen einer Erkrankung sein, die von einem Arzt untersucht und behandelt werden muss. Ursachen für ein solches krankhaftes Schwitzen (Hyperhidrose) können beispielsweise Stoffwechselerkrankungen (Diabetes mellitus) oder Infektionskrankheiten (Lungenentzündung) sein.

Bei einigen Jugendlichen entwickelt sich das Schwitzproblem zu einem regelrechten Teufelskreis. Die Belastung durch das Schwitzen und die Angst, zum Beispiel von Schulkameraden deswegen gehänselt zu werden, kann die Schwitzattacken in der Pubertät verstärken. In einem solchen Fall kann eventuell eine Psychotherapie oder ein vertrauensvolles Gespräch mit einem Beratungslehrer hilfreich sein.

Deos –praktische Helfer gegen Schweißgeruch >>

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1Falk, G. et al. (2009): Krankhaftes Schwitzen. Stuttgart: Kohlhammer, S. 17.