Fokale und generalisierte Hyperhidrose

Von Kopf bis Fuß oder örtlich begrenzt

Ob ein Betroffener am gesamten Körper stark schwitzt oder an einzelnen Körperstellen, gibt einen ersten Hinweis darauf, ob es sich um eine sekundäre oder um eine primäre Hyperhidrose handelt. Die generalisierte Hyperhidrose tritt fast immer als Begleiterscheinung einer anderen Grunderkrankung auf. Die fokale Hyperhidrose ist dagegen typisch für eine primäre Hyperhidrose. In beiden Fällen bestätigen Ausnahmen die Regel.

Fokale Hyperhidrose

Bevorzugt betroffene Regionen der fokalen Hyperhidrose sind

  • Achselhöhlen (Hyperhidrosis axillaris, axilläre Hyperhidrose)
  • Handflächen (Hyperhidrosis manuum, palmare Hyperhidrose)
  • Fußsohle (Hyperhidrosis peduum, plantare Hyperhidrose)
  • Stirn (Hyperhidrosis facialis, Gesichtshyperhidrose), auch Kopfhaut, Wangen, Nasenregion, Hals oder Nacken können betroffen sein

An diesen Stellen ist die Anzahl der Schweißdrüsen bei allen Menschen besonders hoch. Hyperhidrose-Patienten haben weder mehr noch größere Schweißdrüsen, sie sind lediglich durch den Sympathikus überstimuliert.

Typisch ist die symmetrische Ausprägung der fokalen Hyperhidrose – es sind immer beide Hände, beide Füße oder beide Achselhöhlen betroffen.

 

Schweregrad fokaler Hyperhidrose
  Handflächen, Fußsohlen Achselhöhlen

Grad 1

Leichte Hyperhidrose

Deutlich vermehrte Hautfeuchtigkeit
  • Deutlich vermehrte Hautfeuchtigkeit
  • Schwitzflecke von 5-10 cm Durchmesser

Grad 2

Mäßig starke Hyperhidrose

  • Bildung von Schweißperlen
  • Schwitzen auf Fußsohlen bzw. Handinnenflächen begrenzt
  • Bildung von Schweißperlen
  • Schwitzflecke von 10-20 cm Durchmesser

Grad 3

Starke Hyperhidrose

  • Schweiß tropft
  • Schwitzen auch an den seitlichen Hand- und Fußränder
  • Schweiß tropft
  • Schwitzflecke > 20 cm Durchmesser


Generalisierte Hyperhidrose

Am ganzen Körper, zumindest aber an großflächigen Körperpartien, zu schwitzen ist eine seltene Ausprägung der primären Hyperhidrose. Typisch ist sie dagegen bei der sekundären Hyperhidrose, bei der das Schwitzen nur Begleitphänomen einer anderen Grunderkrankung ist.

Da die Kleidung ständig durchnässt ist, müssen sich die Betroffenen mehrmals am Tag umziehen und sind besonders anfällig für Erkältungskrankheiten.

 

Sonderform: Gustatorisches Schwitzen

Gustatorisches Schwitzen (Gustatorische Hyperhidrose, Geschmacksschwitzen), auch Frey-Syndrom oder Aurikulotemporales Syndrom genannt, ist eine Form des Schwitzens, bei der durch Essen, Trinken jeglicher Art, auch durch Reize wie Bonbon lutschen, beißen, kauen oder durch bestimmte Geschmacksreize umschriebene Hautbezirke im Gesicht und Hals stark zu schwitzen beginnen.

Ursachen können sein

  • Schädigungen des vegetativen Nervensystems, z.B. nach Verletzungen oder Strahlentherapie in der Hals- bzw. Kopfregion
  • nach Sympathektomie, einem chirurgischen Eingriff am Sympathikusnerven, von dem Teile durchtrennt bzw. entfernt werden
  • Gesichtsnervenlähmung (Fazialisparese)
  • Erkrankungen oder Operationen der Speicheldrüsen.

Schwitzen durch Gewürze ausgelöstWahrscheinlich entsteht das gustatorische Schwitzen dadurch, dass sich nach Verletzungen, Operationen oder Entzündungen neue Nervenäste bilden, die nicht richtig verknüpft sind. Immer dann, wenn die Nerven eigentlich die Speicheldrüsen zur Sekretion anregen sollen, regen sie die Schweißdrüsen an.

 

Bild: © quayside - Fotolia.com

Author: admin
Stand: 16.05.2011